… am 19. September 1942 erhielt Robert EYSCHEN (*1898, +1947), Sekretär der Staatsanwaltschaft am Tribunal in Diekirch, vom Chef der Zivilverwaltung in Luxemburg den offiziellen Absiedlungsbescheid. Daraufhin wurde Robert EYSCHEN mit seiner Ehefrau Laure HARTZ (*1901) sowie den beiden Töchtern Lydie (*1927) und Nelly (*1929) zunächst nach Leubus (heute: Lubiaz, Polen) in das Lager 158, anschließend nach Boberstein (heute: Bobrow, Polen) in das Lager 103 umgesiedelt. Ihr leerstehendes Wohnhaus in der Palaststraße 18 wurde umgehend von der Deutschen Umsiedlungs-Treuhandgesellschaft (DUT) beschlagnahmt und an den Volksgenossen Fritz HALM, seines Zeichens Bannführer der Hitler-Jugend, vermietet. Nach der ersten Befreiung Diekirchs durch die amerikanische Armee am 11. September 1944, entlud sich der aufgestaute Hass auf das NS-Regime in mehr oder minder spontanen und gewaltlastigen Strafaktionen gegen Kollaborateure, Gielemännercher genannt, und inzwischen geflüchtete NS-Parteifunktionäre. So geschehen auch in der Palaststraße, wo eine Nazi-Uniform symbolhaft am Balkon des Hauses Nr. 18, ehemaliger Wohnsitz des HJ-Bannführers HALM, der bekanntermaßen die Wohnung der Familie EYSCHEN nach deren Umsiedlung belegt hatte, aufgeknüpft und in Brand gesetzt wurde. (bp, rg, rk, sh, as, bn, jb, 2026-02-08)
Umsiedlung der Familie REUTER-JAAQUES, Haus Nr. 30 Palaststraße, am 2. Dezember 1942. Das Bild wurde von Anwalt Constant WOLFF (*1904, +1990), Haus Nr. 35 Palaststraße, heimlich vom Innenfenster der ersten Etage im rechten Gebäudeflügel aufgenommen. Das schiefergedeckte Steildach am rechten Bildrand gehört zum linken Gebäudeflügel des L-förmigen Wohnhauses der Familie WOLFF. Am Heck des Transporters ist ein wuchtiger hochstehender schwarzer Kessel angebracht, der über das Dach des Fahrzeugs hinausragt; er ist Teil eines im Zweiten Weltkrieg üblichen Holzgasgenerators nach IMBERT. Wegen Mineralölknappheit setzte insbesondere die deutsche Wehrmacht auf durch Verschwelung von Holzhack gewonnenes brennbares Gas als Antrieb für den schweren Fuhrpark. [Abbildung: Constant WOLFF; Veröffentlichung: Aloyse DAVID. In: Zwangsëmsiedlung vun der Famill R. Eyschen Dikrich 1940-1945]
Fotografischer Blickkegel (gelb) vom Haus WOLFF (rote Fläche, « W ») hinüber zum Haus REUTER (grüne Fläche, « R ») in Richtung Haus EYSCHEN (blaue Fläche, « E »). Linke Seite der Palaststraße: L = Haus LACAF, R = Haus REUTER, S = Haus SCHILTZ und T = Haus THILLEN. Innerhalb des Blickkegels steht das Transportfahrzeug auf Höhe des Hauses REUTER. [Plan: geoportail; Grafik: bp_2025]
Befestigung einer deutschen Uniform bestehend aus Dienstrock, Koppel mit Kastenschloß und Schirmmütze, aber ohne Beinkleider, am Balkongeländer des Hauses Nr. 18 in der Palaststraße nach der ersten Befreiung Diekirchs am 11. September 1944. Am unteren Teil der Eingangstür sind Hitler-Konterfeis angebracht. Die rechte Abbildung zeigt die in Brand gesetzte Uniform. Die abgebildeten Personen konnten nicht identifiziert werden und die Lokalisierung des abgebildeten Hauses erwies sich als schwierig: Zum einen existiert in Diekirch derzeit kein entsprechendes zweigeschossiges Gebäude mit jeweils zwei Fensteröffnungen pro Etage und einem mittig an der Vorderfassade angeordneten Balkon mit gusseisernem Geländer. Zum anderen besitzt das heutige Haus Nr. 18 in der Palaststraße keinen Balkon, die Eingangstür wurde nach innen verlegt und die außenliegende Treppe stark zurückgebaut. Zu bedenken ist jedoch, dass das Gebäude Nr. 18 in der Palaststraße nachweislich ab 1942 von verhassten NS-Parteifunktionären bewohnt war und möglicherweise im Verlauf der RUNDSTEDT-Offensive sowie der darauffolgenden zweiten Befreiung Diekirchs Ende Januar 1945 beschädigt und anschließend baulich verändert wurde. Im Jahr 1955 wurde in der Tat vom damaligen Besitzer, dem Bäckermeister Marcel SCHROEDER (*1899, +1966) aus der Brückenstraße, bei der Gemeinde ein Antrag auf Erneuerung der Fassade und Reparatur der Eingangstreppe gestellt. Alles in allem erscheint es als wahrscheinlich, dass es sich bei dem oben abgebildeten Haus tatsächlich um das Haus Nr. 18 in der Palaststraße in Diekirch handelt. [Photographien: unbekannt, 1944; Ablage: MNHM]
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